Vereinsgeschichte
Schützenverein Süderwalsede e.V. von 1897

 

Gegründet wurde der Schützenverein Süderwalsede im Jahr 1897. Leider liegen aus der Zeit der Vereinsgründung keine schriftlichen Aufzeichnungen mehr vor. Fast alle männlichen Einwohner des damaligen 250-Seelen-Dorfes, die das vorgeschriebene Alter erreicht hatten, traten dem Verein bei. Der erste 1. Vorsitzende des Vereins wurde Heinrich Intemann aus Rahnhorst, erster Hauptmann der Veteran von 1870/71 Wilhelm Ebeling. Der erste Schützenkönig in der Vereinsgeschichte wurde der Schmiedemeister Heinrich Warncke. Seine Königsscheibe ist noch heute vorhanden.

 

1902 wurde die erste Vereinsfahne geweiht. Sie wurde den Schützen stolze 92 Jahre voran getragen, bis im Jahre 1994 eine neue Fahne, hergestellt nach dem Muster der ersten, geweiht wurde. Die alte Schützenfahne bekam daraufhin ihren Ehrenplatz im Fahnenschrank des Schießstandes.

Überschattet wurde die Vereinsgeschichte auch in Süderwalsede wie überall durch zwei Weltkriege. So forderte der erste Weltkrieg aus den Reihen der Schützen 13 Opfer.
Der letzte König vor Kriegsausbruch 1914, Georg Hesse, Süderwalsede 5, blieb bis 1919 im Amt, da während der Kriegsjahre keine Schützenfeste gefeiert wurden. Als dann die Vereinstradition wieder aufgenommen wurde, errang Heinrich Homann, Rahnhorst 7, im Jahr 1919 die Königswürde. Bereits drei Jahre später konnte der Schützenverein sein 25-jähriges Jubiläum feiern.
Im Jahr 1939 wurde Hermann Schwiebert, Süderwalsede 35, Schützenkönig. Dann wurde wiederum das Schützenwesen von einem Krieg überschattet. Hermann Schwiebert und mit ihm 37 junge Männer des Dorfes fielen ihm zum Opfer, andere kehrten erst nach oftmal langer Gefangenschaft zurück. Die ersten Nachkriegsjahre waren für die Dorfbewohner eine schwere und harte Zeit.
Im Jahr 1952 entschlossen sich 38 Schützenbrüder, die alte Tradition des Vereins wieder aufleben zu lassen. Zum ersten Nachkriegsschützenfest wurde der Sohn des gefallenen Schützenkönigs, Friedhelm Schwiebert, abgeholt. Nach vielen anfänglichen Schwierigkeiten dieser Nachkriegsjahre konnte sich der Verein dank des Engagements seiner Mitglieder weiterentwickeln und wachsende Mitgliederzahlen verzeichnen.

1972 gründeten 27 Frauen aus Süderwalsede die Damengruppe des Schützenvereins. Sicher mag es damals leise Stimmen gegeben haben, dass Frauen nichts im Schützenverein verloren hätten, doch die dürften im Laufe der vergangenen Jahre eines Besseren belehrt worden sein. Inzwischen zählt die Damengruppe 79 Mitglieder und ist aus dem Vereins- und Dorfleben nicht mehr wegzudenken. Mit zahlreichen Aktivitäten trägt sie zur Gestaltung und zum Gelingen der Vereinsfeste bei. Außerdem können die Damen beachtliche schießsportliche Erfolge vorweisen.

Auch das Interesse der Dorfjugend am Schützenverein nahm zu. So wurde eine Jugendgruppe ins Leben gerufen und seit 1985 wird unter den 14-18 Jährigen auch ein Jugendkönig ausgeschossen.

Seit der Neugründung des Schützenvereins 1952 ist die Mitgliederzahl 1997 zum hundertjährigen Jubiläum auf 245 angestiegen. Sie setzt sich folgendermaßen zusammen: 19 Damen, 116 Schützen, 20 Jungschützen, 30 Ehrenmitglieder.

Den Vereinsvorsitz führten seither Heinrich Diercks, Heinrich Müller, Wilhelm Brandt, Dieter Cordes, Helmut Martens und Peter Wiedemann. Heutiger Vorsitzender ist Volker Raddatz.

Der Schießstand wurde im Verlauf der Vereinsgeschichte sieben Mal verlegt. Der erste Stand wurde in der "Romär" an der Straße nach Holtum angelegt. Als dieses Grundstück kultiviert werden sollte, musste mit dem Schießstand zum "Hawerberg" umgezogen werden, wo er aber schon bald dem Schulneubau weichen musste.
Nächster Standort war im "Eickhof" auf dem Grundstück von Diercks Nr. 6. Auch hier musste der Schießstand nach einigen Jahren wegen Neukultivierung wieder aufgegeben werden.
1907 wurde er auf das Grundstück "Im Ackern" von Heinrich Uelzen, Nr. 3 verlegt, bis 1912 auf dem Gemeindegrundstück "Lehmkuhlen" ein neuer Stand gebaut wurde. Dieser Schießstand blieb bestehen, bis er Anfang der dreißiger Jahre den Anforderungen der Aufsichtsbehörden nicht mehr genügte.
So wurde dann auf dem "Osterberg" ein vorschriftsmäßiger Stand mit Seitenwällen gebaut. Nach der Vereinsneugündung Anfang der 50er Jahre stellte sich heraus, dass die Entferung zwischen Schießstand und Vereinswirt zu groß war, was den Ablauf der Schützenfeste behinderte.
So wurde dann der Schießstand auf dem Grundstück des Vereinswirtes Kurt Tepper, gegenüber dem Schützenhof, mit damals modernen Einrichtungen gebaut. Im Jahr 1968 wurde eine Erweiterung auf 8 Kleinkaliberstände vorgenommen. Der Schießstand verfügte allerdings noch nicht über frostsichere Luftgewehrstände, so dass sich das Übungsschießen für die Sportschützen oftmals schwierig gestaltete.
Außerdem erwiesen sich die sanitären Einrichtungen bald als unzureichend, ebenso die Heizungsanlage. Als dann in den 80iger Jahren ein Bestehen bleiben des Vereinslokals unwahrscheinlich wurde, wurde eine Erweiterung des Schießstandes geplant.
Im Sommer 1987 konnte dann der Schießstand in seiner heutigen Form eingeweiht werden. Ein neuer Luftgewehrstand mit 8 Zuganlagen sowie Sanitär- und Gemeinschaftsräumen waren angebaut worden. Der Platz vor dem Schießstand wurde gepflastert und der Außenbereich eingegrünt. Jedes einzelne Mitglied trug durch seinen Anteil an Eigenleistungen ganz beträchtlich zum Gelingen des Umbaus bei und sicher war es auch eine organisatorische Meisterleistung des damaligen Vorstandes, all diese Eigenleistungen geschickt zu koordinieren. Seit der Fertigstellung des neuen LG-Standes konnte der Verein eine starke Ausweitung der schießsportlichen Aktivitäten verzeichnen. So nehmen heute mehrere Mannschaften der unterschiedlichen Wettkampfgruppen an Rundenwettkämpfen teil und es konnten schon gute Erfolge verbucht werden.
In den Jahren darauf bemühte sich die Gemeinde Westerwalsede und das gesamte Dorf um die Planung und Finanzierung eines Heimat- und Kulturhauses. Für den Neubau bot sich ein Anbau an den bestehenden Schießstand an. Im Juni 2006 wurde das Haus fertig gestellt, dass durch einen Zwischentrakt mit dem Schießstand verbunden ist und nun über moderne Heizungs- und Sanitäranlagen verfügt.

So nehmen heute mehrere Mannschaften der unterschiedlichen Wettkampfgruppen an Rundenwettkämpfen teil und es konnten schon sehr gute Erfolge verzeichnet werden.
Auch die Jugendgruppen erfreuen sich, nicht zuletzt durch den Einsatz der zuständigen Schießsportleiterinnen, eines regen Zulaufs.

Die Vereinswirtschaftsgeschichte stellt sich wie folgt dar: Zwischen 1855 und 1875 kaufte der Höckerhändler Harm Meyer die Hofstelle mit einigen Ländereien in Süderwalsede Nr. 2. Er hat das Schankrecht und ist verheiratet mit Katharina Meyer, geb. Norden. Nach dem Tod von Harm Meyer heiratet die Wirtswitwe Katharina Meyer, geb. Norden den Witwer Joh. Heinrich Nissen, Süderwalsede Nr. 10. Dieser richtet das erste Schützenfest 1897 aus.
Katharina Meyer heiratet Hinrich Stegmann, Süderwalsede Nr. 4 und beantragt das Schankrecht nach dem Tod ihrer Mutter. Sie bekommten einen Sohn, der im 1945 Krieg fällt. Ihre Tochter Maria Stegmann, geb. 25.09.1902 ist Erbin der Gastwirtschaft und heiratet im Oktober 1949 Kurt Tepper aus Niederhausen. Das Ehepaar ist Kinderlos. Nach deren Tot erbt die Gastwirtschaft eine Nichte von Kurt Tepper, Hildegard Fleischauer. Da sie in Neustadt am Rübenberge lebt, wird die Gaststätte verpachtet.
Die Pächter sind Familie Vogel (1984 - 1986), Frau Mahler und Fau Meyer (1986 - 1987), Herr Mock und Frau Priet (1988 - 1990) Frau Pauch (1990 - 1993) und Familie Engel (1993 - 1995). Folgend wird die Gastwirtschaft verkauf und in Mietwohnungen umgebaut. Dies ist das Ende der Vereinswirtschaft.
Bis 2009 ist Jürgen Nissen, Süderwalsede Nr. 10 der Vereinswirt und richtete als Urenkel des Vereinswirtes Joh. Heinrich Nissen (Ausrichter des ersten Schützenfestes) das Schützenfest zum 100jährigen Jubiläum aus.

Nachdem Jürgen Nissen aus Altersgründen die Position des Festwirtes abgab, werden die Feste des Schützenvereins seit 2010 vom dem Wirtsehepaar Heidi und Harald Scheer aus Westerwalsede bewirtet.

Auch an anderen Gemeinschaftsaktivitäten fehlte es im Schützenverein nicht. So finden regelmäßige Fahrradtouren und Kohl- und Pinkelfahrten statt. Es werden Sonntagsfühschoppen und Klönabende im Schießstand veranstaltet. Auch finden auf Initiative der Damengruppen in Abständen Senioren- oder Dorfnachmittage statt, diese meisten im Advent bei Kaffee und Kuchen, mit Bildern aus dem vergangenen Schützenjahr, Weihnachtsliedern und Geschichten.

Höhepunkt für den Schützenverein ist allerdings natürlich das alljährliche Schützenfest. Das ganze Dorf trifft hierfür eifrige Vorbereitungen. Es wird geharkt, gefegt, geputzt und Rasen gemäht. Eine Besonderheit für Süderwalsede sind sicherlich die zahlreichen Ehrenpforten, die am Vorabend des Schützenfestes von vielen in nachbarschaftlicher Gemeinschaft aus Eichenlaub gebunden werden. Eine gute Gelegenheit sich schon mal auf das Schützenfest einzustimmen und beim Aufstellen der Pforte wird dann schon mal der eine oder andere "Kurze" probiert.
Nachdem am ersten Schützenfestetag der Kranz am Ehrenmal auf dem Friedhof niedergelegt worden ist, werden der Schützenkönig und der Kinderkönig abgeholt.
Am Nachmittag finden die Schießwettkämpfe statt und am Abend wird dann kräftig gefeiert. So kann es sein, dass beim Katerfrühstück am folgenden Morgen so mancher noch etwas blass ausschaut, doch die Beteiligung hierbei ist meist sehr gut. Nach Ehrungen, Kriegsgericht und diversen Einlagen folgt als Höhepunkt die Königsproklamation.
Zunächst werden die Kinder- und Jugendkönige bekanntgegeben.
Das Ergebnis des Schützenkönigsschießens wurde bis zu diesem Zeitpunkt von den Schießwarten noch streng geheim gehalten, so dass die Spannung natürlich sehr hoch ist. Schließlich überreicht der Oberschießwart dem Vorsitzenden die Liste mit den richtigen Ergebnissen und die bis dahin ahnungslosen neuen Würdenträger werden vor die Bühne gebeten, um die Glückwünsche des Vereins entgegenzunehmen.
Nun folgt die offizielle Königsproklamation vor dem Schießstand und gleich anschließend der Umzug durchs Dorf mit Station beim neuen kinder- und Schützenkönig.
Auch der Sonntag klingt mit Tanz bis in den frühen Morgen aus, wobei man den Schützen nicht die geringst Müdigkeit anmerken kann.

Heute steht der Schützenverein als eine tragende Säule des Dorf- und Gemeinschaftslebens da und kann zuversichtlich und optimistisch in die Zukunft blicken.

Aus der Festschrift zum 100jährigen Jubiläum / 36. Kreisschützenfest
09. und 10. August 1997 in Süderwalsede
 
 
 
  Süderwalsede